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Bekenntnisse einer Leidenschaft


 

Zu einer Zeit, als meine Pressspanregale überwiegend von Büchern und Schallplatten regiert wurden, bekam ich von einem Freund eine DVD mit der Bemerkung »Die kannst Du haben – die schau´ ich mir eh nicht mehr an« in die Hand gedrückt. Sie war sehr bunt und machte mit ihrer kleinen Hartboxverpackung einen wertigen ersten Eindruck.

Das Cover versprach alles und noch viel mehr: Ein muskelbepackter Maschinengewehrschütze (Kriegsfilm!) mit Jason-Voorhees-Maske (Slasher!) und einer angriffslustigen Schlange im Vordergrund (Tierhorror!), während im Hintergrund Mord & Totschlag regieren (... oder doch Thriller?). Ich war extremst beeindruckt!

Doch die Rückseite dieser DVD-Hartbox brachte sofort die Ernüchterung zurück: auf tristem Grau sind eindeutig als Billigproduktion entlarvbare Screenshots eines drittklassigen Thrillers aus Südamerika abgebildet. Aus dieser Spargeltarzan-Gang soll der tollkühne Held des Titelcovers entsprungen sein? Wie dreist! Ich fühlte mich an alte VHS-Zeiten zurück erinnert und an Filmtitel, die sich dem aktuellen Trend anschmiegten wie eine neue Hautschicht auf der Visage von Leatherface.

Die DVD der Cobra Gang wanderte ins Regal und bildete erstmal für viele Monate und für einige Quadratzentimeter einen erstklassigen Staubschutz.

Die Zeit verging und ich kam langsam auf den (guten? schlechten?) Geschmack. Es war Filmbörsenzeit und ein Händler bot in seiner Schütte vielleicht ein halbes Dutzend dieser rot-blauen DVDs mit Nummerierung auf dem Rücken an. Nur wenige Euro wollte er für das Stück haben und schon die Titel suggerierten Filme, welche zweifellos auf einer "have seen before I die" Liste ihren festen Platz verdienen: Wurmfresser! Amputiert! Und mörderische Frauen!!! Herrje!

Ich stellte fest, dass so nebeneinander stehend die Rücken der DVD-Boxen richtig was her machen. Wie heisst es doch so schön: Don´t judge a book by it´s cover... but a DVD!

Beim Cover vom Kuss der Tarantel  musste ich gleich an diesen Fulci denken, und Metamorphosis  roch schon meilenweit gegen den Wind nach Alien. Und so füllte sich langsam aber sicher meine Börsentasche…

Die Erleuchtung, dass ein Leben ohne die Trash Collection zwar möglich, aber irgendwie auch sinnlos ist, habe ich 2 weiteren Faktoren zu verdanken.

Der eine ist, dass im Laufe der Zeit in der Trash Collection Filme veröffentlicht wurden, welche einen ewigen Platz in meiner "50 Filme für die Insel" Liste haben. Allen voran natürlich die Rache der 1000 Katzen. Das ist kein gewöhnlicher Film – das ist ein Gebet! 

Ebenso verhält es sich mit mit der Leichenfabrik des Dr. Frankenstein (der vielleicht schmierigste aller Frankenstein-Filme überhaupt), dem Totenchor der Knochenmänner (Paul Naschy in einer seiner besten Rollen!), Überleben! und vielen anderen.

Überleben! ist übrigens, wie einige andere Filme aus der Trash Collection Serie auch, nicht das, was ich zwangsläufig als Trash betiteln würde. Aber genau das lernt man hier zu schätzen: rot-blau ist eine scheuklappenfreie, konfessionslose und manchmal auch schmerzbefreite Zone.

Der zweite nicht zu verachtende Punkt ist die Gruppendynamik. Als Freund der Trash Collection lernt man interessante Menschen kennen. Menschen, die sich zutrauen, Filme mit Titeln wie Skinner... lebend gehäutet  zu sichten. Menschen, die offen bekennen, Geld für Filme von Frits Fronz auszugeben. Menschen, die stolz darauf sind, einen Film, den sie sich freiwillig gekauft haben, auch komplett durchgestanden zu haben! Nicht verrückt ist auch nicht normal.

Mittlerweile schließen sich auch die letzten Lücken meiner Trash Collection Sammlung und ich glaube, darauf darf man stolz sein. Irgendwie. Was Kindlers Literaturlexikon für die Bibliothek ist, das ist die Trash Collection für die gepflegte Filmsammlung... mit nur einem kleinen, aber bedeutsamen Unterschied: sie ist unterhaltsam.

(Bernd)

 


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