tc_slide_1.jpgtc_slide_2.jpgtc_slide_3.jpgtc_slide_4.jpgtc_slide_5.jpg

Trash Collection 105 - Die Rocker von der Boston Street & Die Hyänen

thumb tc105

»Geballte Action mit Star-Besetzung!«


 

 

  

 

tc105 720px

Die Rocker von der Boston Street


 

Dass eine Rockerbande in ein kleines Nest einfällt, wird herzhaft zelebriert. Über fünf Minuten lang kommt der Film erstmal ohne Dialoge aus, während der Kameramann sich als Fan abgasgeschwängerter Luft outet. Die Rockerbande wird vom Straßenrand, aus Beifahrersicht, aus der Luft, in teils sehr ungewöhnlichen Einstellungen gefilmt; meditativ, eindringlich, intensiv. Würde sich so auch im Arte Spätprogramm hervorragend machen.

Die vom konservativen alten Sheriff und seinem jung-dynamischen Gehilfen gesteckte Warnung, hier keinen Ärger zu machen, kann leider nicht eingehalten werden. Ohne jegliche Vorwarnung befindet sich der Zuschauer in einer Blut- und Bierdosensoße, welche die Basis für eine Schlägerei, die spektakulär zwischen Gewalt und humoresken Szenen wechselt, bildet. Am Ende wird einer der Rocker verhaftet und erst wieder freigelassen, wenn der Rest der Bande aus dem Ort verschwunden ist. Gesetz auf amerikanisch.

In einer verträumt-hippiesken Szene lernen wir die Tochter des Sheriffs kennen, welche gelangweilt von Spießer-Freund und Hotdog-knabbern sich sofort in den abgeranzten Sattel der schweren Maschine, welche der Sheriffgeisel gehört, verliebt. Darauf möchte sie auch mal so richtig abhotten. Nach nicht näher nachvollziehbaren Startschwierigkeiten verschwindet unser Rocker, zeigt dem Ortsschild den Mittelfinger und wird kurz darauf von einem Kollegen auf der Ladefläche seines Kleintransporters (?) tot ins Rockerlager zurückgebracht, was die Bande ebenso baff wie den Zuschauer zurück lässt. Die Cuts sind hart wie Felgenstahl!

Für 300 Dollar kauft man sich einen Holzsarg und mietet den Leichenbestatter gleich mit. Stundenlang fährt man (mal wieder) durch die Gegend, prügelt sich zwischendurch um eine Frau, randaliert in einem Restaurant und vergewaltigt die Tochter des Inhabers in einem Berg gekochter Spaghetti! Der gut-bürgerliche Leichenbestatter findet das alles nicht so schlimm und isst die Nudeln trotzdem! Vor dem Sheriff verteidigt er seine neuen Freunde. Die können nichts dafür, wurden provoziert und nicht bedient, was ein Verstoß gegen das Gewerberecht bedeutet. Die Argumente sind schlagkräftigt, das findet auch der Sheriff, und lässt die Anzeige wegen Vergewaltigung und Randalismus fallen. Wir lernen: man muss nur mit den Leuten reden.

Die Grabrede ist intensiv und an eine Obduktion - immerhin handelt es sich um Mord! - denkt hier niemand. Man bepinkelt den Sarg (ein alter Rockerbrauch, den ich so auch von irgendeinem anderen Film dieser Liga bestätigen kann) und geht zum Feiern über, wobei sich der Leichenbestatter erstmal eine Handvoll Trips einwirft. Anschließend führt er einen Leichenwürmertanz auf.

"In einer zivilisierten Gesellschaft sollte dieses Rockerpack zum öffentlichen Abschuss freigegeben werden." Die Einheimischen sind auf die Rocker nicht gut zu sprechen, wissen aber, wie man feiert. Dann wird ein Kind in einem alten Minenschacht verschüttet und die Rocker zeigen Herz und Einsatz. Ein Seil wird gespannt, wieder locker gelassen, und plötzlich ist der kleine Racker, welcher in einer Mine mit morschen Balken spielen musste, wieder da.

Die Tochter des Sheriffs steht auf Bierfahne statt Spießermief, was zu Mord, Totschlag und einer abstrusen Auflösung des vorangegangenen Mordes, der sich aufgrund der vielen anderen Toten mittlerweile relativiert hat, führt. Und zu einer der besten Szenen des ganzen Films (nach der Nudelszene): den Sheriff wegen unterlassener Hilfeleistung an seiner eigenen Tochter anzuzeigen wäre hier dringend nöig!

Die Trash Collection #105 ist eine Doppel-DVD (Debut!) und die stinkt nach Motoröl und Männer-Urin. Der samtähnliche Innenbezug hätte konsequenterweise durch von Furzrändern durchzogenes Leder ersetzt werden müssen, aber ich will nicht kleinlich sein. Mit den Rockern von der Boston Street haben wir einen Bikerfilm für Fortgeschrittene vorliegen und ich weiss, wovon ich rede, denn ich kenne nicht nur die 10teilige Rocker- und Biker-Box-Collection von MiG, ich fahre selbst täglich einen heißen Feuerstuhl (Fahrrad). Dieser Film setzt dem Genre den SS-Helm auf und die minimalistisch-vorhersehbare Handlung lässt genügend Spielraum für experimentelle Kameraeinstellungen und vor allem für ausgedehnte Motorradfahrten, untermalt mit passender Rockermucke. Nur eine Frage wurde nie geklärt: wo verdammt noch mal ist diese blöde Boston Street?

(Bernd)

 

Die Hyänen


 

Großartig! Eigentlich hätte ich diesen Film als Savoy-DVD kaufen wollen, jetzt bekomme ich ihn quasi umsonst hier im Doppelpack mitgeliefert. Witzigerweise mit Savoy-Logo im Vorspann und TC-untypischer Menüführung.

"Im tiefsten Inneren ist sie eine nette Lady, aber so tief ist noch keiner vorgedrungen."

Schluck. "Die Hyänen" ist ein typisches Kind der 80er, was an der Darstellung des zurückhaltenden Kriegsveterans und Held der Story, Stryker, an den Frisuren und an der Optik des bösen Rocker-Anführers unschwer zu erkennen ist; letzterer könnte Lars Ulrich sein. Hier kämpft er aber nicht gegen diverse mp3-Plattformen, sondern gegen ein kleines Städtchen, dessen große Schwäche die innere Zerstrittenheit ist.

"Was treibst Du hier?" "Es treibt mich halt."

Das schlechte Karma des Kaffs muss Stryker mit seinem ehemaligen Kriegskollegen und mit einem physischen wie psychischen Kraftaufwand beseitigen, damit sie gegen Lars Ulrich und seine Bande auch nur die geringste Chance haben. Denn die Rocker sind nicht ohne und das Motorrad wird auch mal gegen einen Panzer eingetauscht, um das Städchen dem Erdboden gleich zu machen!

"Warum glaubst Du, dass Du gut genug für mich bist?" "Weil ich sogar Deine verdammte Karre zum Orgasmus bringe."

Der Priester des Ortes kämpft gegen seinen eigenen Satan und treibt mit seinem "heiligen Werkzeug" das Böse aus einer Rocker-Lady. "Bei uns nennt man das nicht Beistand, sondern Beischlaf."

Die Kampfakrobatik Strykers lässt sehr zu wünschen übrig, aber dank des ordentlichen Wumms und dick aufgetragenen Nebels werden diese Schwächen stimmungsvoll in Szenen gesetzt. Einen hohen Grad an Kreativität beweist er unter anderem, wenn eine Schlange als Waffe herhalten muss.

Rocker, Helden, schlechte Tanzszenen am Lagerfeuer und - wichtig! - alte Minen: diese beiden Filme stammen zwar aus unterschiedlichen Jahrzehnten, sind aber geradezu prädestiniert, als Double-Feature präsentiert zu werden. Sie stellen innerhalb der Trash Collection ein weiteres Highlight dar, dessen Kaufempfehlung ich in eine Kaufpflicht umwandeln möchte; für alle, die sich innerhalb einer Umweltzone niemals wohlfühlen werden.

Ride on!

(Bernd)


  

Wollt ihr auch eine Review zu diesem Film aus der Trash Collection beitragen? Schreibt uns!

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren